1- Viele Studierende wissen nicht genau, was ein Kanzler eigentlich tut. Können Sie konkret beschreiben, für welche Entscheidungen Sie zuständig sind und an welchen Punkten Ihre Arbeit den studentischen Alltag direkt betrifft?
Der Kanzler ist für die Verwaltung und die wirtschaftlichen Angelegenheiten der Hochschule verantwortlich. Dazu gehören unter anderem Personal, Finanzen, Studiendezernat, Bau- und Liegenschaften sowie die organisatorischen Rahmenbedingungen für Studium, Lehre und Forschung. Auch wenn diese Aufgaben oft im Hintergrund stattfinden, betreffen sie den Studienalltag unmittelbar – etwa bei der Ausstattung von Werkstätten, der Bereitstellung von Arbeitsplätzen, der Digitalisierung von Prozessen oder der Sanierung von Gebäuden. Mein Ziel ist es, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Studierende und Lehrende auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können.
2- Sie sind nun fast zwei Semester an der Burg. Was hat Sie in dieser Zeit positiv überrascht oder beeindruckt, etwas, das Sie so nicht erwartet hätten?
Besonders positiv überrascht hat mich die starke Identifikation vieler Studierender und Mitarbeitender mit der BURG. Von Beginn an habe ich eine außergewöhnlich hohe Bereitschaft erlebt, Verantwortung zu übernehmen und die Hochschule aktiv mitzugestalten. Beeindruckt haben mich zudem die Vielfalt der Perspektiven, das große Engagement und der sehr direkte Austausch zwischen den verschiedenen Statusgruppen. Diese Offenheit und Beteiligungskultur sind nicht selbstverständlich und prägen die besondere Atmosphäre der BURG.
3- Und umgekehrt: Was ist Ihnen negativ aufgefallen? Wo sehen Sie an der Burg den größten Handlungsbedarf und woran liegt das Ihrer Einschätzung nach?
Wie viele Hochschulen steht auch die BURG vor Herausforderungen bei Personalressourcen, Infrastruktur und Verwaltungsprozessen. In einigen Bereichen sind die Erwartungen an die Hochschule in den vergangenen Jahren gewachsen, während die verfügbaren Ressourcen nicht im gleichen Maße mitgewachsen sind. Deshalb sehe ich Handlungsbedarf insbesondere bei der Modernisierung und Digitalisierung von Abläufen, der Stärkung der Verwaltung und der Weiterentwicklung der Infrastruktur.
4- Welche Bedürfnisse der Studierenden und der Mitarbeitenden haben Sie bislang am deutlichsten gespürt? Wo decken sich diese mit Ihren eigenen Prioritäten, und wo nicht?
Sowohl Studierende als auch Mitarbeitende wünschen sich vor allem Verlässlichkeit, Transparenz und funktionierende Strukturen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Entscheidungen und eine gute Kommunikation. Diese Anliegen decken sich weitgehend mit meinen eigenen Prioritäten. Unterschiede ergeben sich manchmal eher bei der Frage, wie schnell Veränderungen umgesetzt werden können. Verwaltung und Hochschulsteuerung bewegen sich häufig in rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen, die nicht immer sichtbar sind und von außen gesetzt werden.
5- An der Hochschule gibt es derzeit offene Stellen und teils Engpässe in der Verwaltung. Welche Stellen sind aktuell unbesetzt, was bedeutet das für die Arbeitsfähigkeit der Burg, und bis wann rechnen Sie mit einer Besetzung?
Unbesetzt sind derzeit lediglich einige Professuren zur Finanzierung des Hermes und des Eigenanteils der Hochschule für den Neubau, während im Verwaltungsbereich aktuell keine Stelle vakant sind. Ansonsten sind wir – bei allen Herausforderungen, die die Nachbesetzung mit fachlich qualifizierten Personen in sich bergen – sehr froh, dass offene Stellen in der Regel zügig besetzt werden können. Dazu gehört im Übrigen auch das stets hohe Interesse an Ausbildungsplätzen an der BURG. Da die Hochschulverwaltung im Vergleich zu anderen Hochschulen insgesamt mit weniger Personal auskommen muss, verteilen sich daher die anfallenden Aufgaben ohnehin auf wenige Schultern, die nach meiner Wahrnehmung jedoch mit hohem Engagement erfüllt werden.
6- Welches hochschulpolitische Thema beschäftigt Sie persönlich gerade am meisten?
Derzeit beschäftigen mich insbesondere die finanziellen Rahmenbedingungen der Hochschulen. Die zentrale Frage ist für mich, wie wir unter veränderten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedingungen die hohe Qualität von Studium, Lehre und Forschung langfristig sichern und zugleich notwendige Entwicklungsspielräume erhalten können. Kunst- und Designhochschulen leisten einen wichtigen Beitrag für Innovation, gesellschaftliche Reflexion und kulturelle Entwicklung. Diesen Beitrag für Innovation, gesellschaftliche Reflexion und kulturelle Entwicklung. Diesen Beitrag sichtbar zu machen und seine Bedeutung immer wieder zu vermitteln, sehe ich als eine vordringliche Aufgabe.
7- Eine Landesregierung unter starkem Einfluss kunst- und wissenschaftsfeindlicher Kräfte könnte für eine Kunsthochschule wie die Burg existenzielle Folgen haben. Was tun Sie als Kanzler schon jetzt, um die Hochschule, ihre Finanzierung, ihre Freiheit und ihre Menschen gegen solche Entwicklungen abzusichern?
Die Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Lehre sind die zentralen Grundlagen unserer Hochschule, für die es einzutreten und die es zu verteidigen gilt. Eine wichtige Aufgabe der Hochschulleitung besteht daher darin, die Leistungsfähigkeit und gesellschaftliche Relevanz der BURG sichtbar zu machen und starke Netzwerke in Politik, Verwaltung, Kultur und Gesellschaft zu pflegen. Eine Hochschule ist umso resilienter, je stärker sie in ihrem Umfeld verankert ist und je überzeugender sie ihren Beitrag für die Gesellschaft darstellt.
8- Ihrer Vorgängerin wurde im Umgang mit Konflikten an der Hochschule wiederholt Täterschutz vorgeworfen. Was machen Sie konkret anders, damit Betroffene sich an Ihre Verwaltung wenden können und ernst genommen werden?
Für mich ist entscheidend, dass Menschen, die sich mit einem Anliegen oder einer Beschwerde an die Hochschule wenden, ernst genommen werden und faire, transparente Verfahren vorfinden. Dazu gehören ein respektvoller Umgang, eine sorgfältige Prüfung von Sachverhalten und die Einbindung der jeweils zuständigen Stellen. Vertrauen entsteht vor allem durch nachvollziehbares Handeln und Verlässlichkeit.
9- Bei Konflikten an der Hochschule, etwa bei Vorwürfen von Übergriffen, Machtmissbrauch oder Diskriminierung, liegt eine Entscheidung am Ende oft bei Ihnen. Wie gehen Sie mit solchen Situationen um, und über welche Schulungen oder Sensibilisierung verfügen Sie, um in derart sensiblen Fällen das letzte Wort verantworten zu können?
Gerade solche Situationen verlangen besondere Sorgfalt. Mein Ansatz ist es, Sachverhalte gründlich aufzuklären, unterschiedliche Perspektiven anzuhören, mir auch persönlich Rat zu suchen und dabei die vorhandenen fachlichen Kompetenzen innerhalb und außerhalb der Hochschule einzubeziehen. Entscheidungen müssen sowohl rechtlich tragfähig als auch menschlich verantwortungsvoll sein. Dabei sind Sensibilität, Fairness und die Wahrung der Rechte aller Beteiligten für mich von zentraler Bedeutung.
10- Welche konkreten Anlaufstellen und Verfahren gibt es derzeit für Studierende, die Übergriffe, Machtmissbrauch oder Diskriminierung melden wollen? Halten Sie diese für ausreichend transparent und unabhängig?
Die Hochschule verfügt über verschiedene Beratungs- und Anlaufstellen, die je nach Anliegen unterstützen können. Erst unlängst wurde gemeinsam mit dem Studierendenrat für die diskriminierungskritische Beratung für Studierende eine neue Ansprechperson gefunden. Gleichzeitig halte ich es für wichtig, regelmäßig zu prüfen, ob diese Strukturen ausreichend bekannt, niedrigschwellig zugänglich und transparent sind. Aus meiner Sicht ist das kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann, sondern ein kontinuierlicher Entwicklungsprozess. So wird beispielswiese derzeit die Richtlinie zum Schutz vor Benachteiligungen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz überarbeitet und auch für Kontexte zu Machtmissbrauch soll zukünftig auf kooperativer Basis eine Anlaufstelle eingerichtet werden.
11- Welche Fehlerkultur möchten Sie an der Burg etablieren? Woran würden Studierende merken, dass sich etwas geändert hat?
Eine gute Fehlerkultur bedeutet für mich, Probleme im Vertrauen darauf offen ansprechen zu können, dass dies zu keinen persönlichen Nachteilen führt. Fehler sollten analysiert werden, um daraus zu lernen und Prozesse zu verbessern. Studierende würden eine solche Kultur daran erkennen, dass Rückmeldungen ernst genommen werden, Entscheidungen nachvollziehbar erläutert werden und sachliche Kritik als Beitrag zur Weiterentwicklung verstanden wird.
12- Ganz persönlich: Wie gehen Sie mit eigenen Fehlern um? Gab es in Ihrer bisherigen Amtszeit eine Entscheidung, die Sie heute anders treffen würden?
Entscheidungen treffen zu müssen, oft auch in schwierigen Situationen, gehört zu den Aufgaben eines Kanzlers. Zu meinem Selbstverständnis gehört es jedoch, Entscheidungen und ihre Auswirkungen auch im Nachgang selbstkritisch zu reflektieren, um zukünftige Entscheidungssituationen besser vorzubereiten. Dazu zählt beispielsweise, noch stärker das Gespräch mit den Beteiligten zu suchen und Entscheidungen sowie deren Hintergründe transparent zu kommunizieren. Gerade an einer Hochschule ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven frühzeitig einzubeziehen. Das sind wichtige Lernprozesse, die jede neue Funktion mit sich bringt.