Professorin Bettina Erzgräber kandidiert als einzige Bewerberin für eine weitere Amtszeit als Rektorin der Burg 2026-2030. Wir wollten die Gelegenheit nutzen, um mit ihr vor dem Wahl über ihre bisherige Amtszeit und die damit verbundene Entwicklung der Hochschule zu sprechen. Der Austausch fand über schriftlichen Weg statt.
1- Welche drei konkreten Ziele setzen Sie sich für eine mögliche nächste Amtszeit? Welche messbaren Indikatoren würden Sie heranziehen, um am Ende der Amtszeit zu bewerten, ob diese Ziele erreicht wurden?
Eine zentrale Aufgabe für die kommenden vier Jahre ist die Umsetzung des Neubauvorhabens am Campus Kunst einschließlich aller vorbereitenden Maßnahmen, insbesondere des Umzugs der Nutzer*innen des Weißen Hauses und des bevorstehenden Abrisses des Gebäudes.
Der Fortschritt dieses Vorhabens wird unmittelbar sichtbar und ist daher vergleichsweise leicht messbar. Weitere wichtige Ziele sind die Stärkung der künstlerischen, gestalterischen und wissenschaftlichen Forschung, die Weiterentwicklung nachhaltiger Hochschulstrukturen sowie die Förderung einer offenen und dialogorientierten Kommunikationskultur, die den Austausch zwischen allen Statusgruppen fördert. Für die Bereiche Forschung und Nachhaltigkeit können beispielsweise die Anzahl erfolgreich realisierter (Drittmittel)-Projekte, Publikationen und Forschungskooperationen als Indikatoren dienen.
Die Entwicklung der Kommunikationskultur möchte ich unter anderem durch regelmäßige Vollversammlungen und weitere Beteiligungsformate fördern. Hier können die durchgeführten Formate, die Beteiligung der Hochschulangehörigen sowie Rückmeldungen zu den Veranstaltungen Hinweise auf den Erfolg geben.
2- Welches Vorhaben Ihrer bisherigen Amtszeit ist aus Ihrer Sicht deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, und welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Ein Bereich, in dem ich mir mehr Fortschritte gewünscht hätte, sind die Fördermöglichkeiten für Studierende. Zwar ist die Zahl der Stipendiat*innen der Studienstiftung gestiegen, gleichzeitig sind jedoch die Deutschlandstipendien sowie die Unterstützung durch die Freunde und Förderer der BURG zurückgegangen.
Mein Ziel ist es, neue Förderstrukturen aufzubauen und Kooperationen mit externen Partner*innen zu stärken, um Studierende künftig besser unterstützen zu können.
4- Sie sind die einzige Kandidatin für das Amt. Warum glauben Sie, dass es keine Gegenkandidatur gibt, und sehen Sie darin ein Zeichen von Vertrauen oder eher ein Problem für die demokratische Kultur der Hochschule?
Die Zahl der Kandidat*innen sagt nicht zwangsläufig etwas über die demokratische Kultur einer Hochschule aus. Die Frage ist eher, wer sich in der aktuellen Situation vorstellen kann und möchte, die Verantwortung für die Leitung der BURG zu übernehmen.
Als Rektorin repräsentiere ich die BURG. Die Arbeit wird jedoch von einem Team getragen, das mehr als nur einen Bereich der Hochschule repräsentiert. Deshalb möchte ich an dieser Stelle insbesondere die Zusammenarbeit mit den Prorektor*innen Prof. Dr. Veronica Biermann, Prof. Tilo Baumgärtel und Prof. Matthias Görlich sowie mit dem Kanzler Dr. Stefan Danz hervorheben.
Gemeinsam haben wir wichtige Grundlagen geschaffen, etwa bei langfristigen Entwicklungsprozessen der Hochschule und bei zentralen Zukunftsprojekten wie dem Neubau. Diese Arbeit soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.
3- In welchen Bereichen sehen Sie aktuell die größten strukturellen Probleme der Burg – beispielsweise bei Transparenz, Kommunikation, Lehre oder Teilzeitstudium – und welche konkreten Maßnahmen werden Sie dagegen umsetzen?
Rückblickend hätte ich mir gewünscht, dass die Evaluierungsordnung schneller umgesetzt wird. Die Verzögerungen haben bei Studierenden und Lehrenden zu Unsicherheiten geführt.
Die weiteren genannten Punkte wurden auf Grundlage der geltenden Regelungen unserer Hochschule, insbesondere der Hausordnung, entschieden. Die darüber entstandenen Debatten sind Ausdruck unterschiedlicher Erwartungen und gehören zu einer lebendigen Hochschulkultur.
5- Wenn Sie heute nicht Rektorin der Burg wären: Welche Entscheidung oder Entwicklung der Hochschulleitung der vergangenen vier Jahre würden Sie rückblickend am kritischsten bewerten – beispielsweise das Abhängen kritischer Plakate, den Umgang mit dem Druck der „Gurk“, die über lange Zeit nicht umgesetzte Evaluierungsordnung oder die Demontage der Plakatwand vor dem NLG-Gebäude?
Diese Frage möchte ich auf drei Ebenen beantworten.
Die erste Ebene betrifft mich selbst. In meiner ersten Amtszeit als Rektorin war ich wenig in die Lehre eingebunden. Dadurch fehlte mir ein wichtiger direkter Kontakt zu den Studierenden und ihrem Studienalltag. Das möchte ich ändern, indem ich wieder verstärkt Lehrveranstaltungen übernehme und dadurch näher an den Themen, Anliegen und Herausforderungen der Studierenden bin.
Die zweite Ebene betrifft die bestehenden Strukturen der Hochschule. Wir verfügen bereits über zahlreiche Kommissionen, Arbeitsgruppen und Beteiligungsformate. Ich möchte diese Strukturen stärker begleiten, ihre Arbeit sichtbarer machen und die Beteiligung fördern. Gleichzeitig werden wir prüfen, an welchen Stellen neue Arbeitsgruppen sinnvoll sind, damit strukturelle Fragen transparent, kontinuierlich und gemeinsam bearbeitet werden können.
Die dritte Ebene betrifft die gesamte Hochschulgemeinschaft. Ich möchte ein regelmäßiges, vom Rektorat organisiertes Forum etablieren, in dem Studierende, Lehrende und Mitarbeitende zusammenkommen können, um über Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftsthemen der BURG ins Gespräch zu kommen. Ein solcher Raum kann Transparenz stärken, unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und das gegenseitige Verständnis fördern.